Das große Irlandlexikon | Irland von A-Z
Architektur Irlands
Die frühesten heute noch in Irland
… zu sehenden Architekturdenkmäler sind Megalithgräber (errichtet zweischen 3700 und 2000 v. Chr.). Dazu gehören Dolmen (drei oder mehr stehende Steine, die einen oder zwei Decksteine tragen) wie auch Ganggräber in der Art von Newgrange.
Die steinzeitlichen Bautechniken überlebten bis ins zwölfte Jahrhundert und sind heute noch in den bienenkorbartigen Strukturen der frühen Kirchen und Klöster, wie z.B. St. Michael auf der Insel Great Skellig und dem Gallarus Oratorium in der Grafschaft Kerry, zu sehen.
In der Eisenzeit (nach 500 v. Chr.) wurden große kreisförmige Steinforts, zumeist auf Bergkuppen, gebaut, wie z.B. Dun Aengus auf den Aran Inseln.
Den in vielen Teilen des Landes zu findenden Rundturm gibt es fast nur in Irland. Die Rundtürme, deren eindrucksvollstes Beispiel in Clonmacnoise in der Grafschaft Offaly steht, wurden vom zehnten bis zum zwölften Jahrhundert in Klöstern erbaut und erreichten oft eine Höhe von mehr als 30 Metern. Ihr Hauptzweck könnte der eines Glockenturms gewesen sein, wobei hochgelegene Eingänge auch Verteidigungszwecke vermuten lassen.
Anschließend beeinflusste der romanische Baustil mit seinem kunstvollen und verschnörkelten Mauerwerk zunehmend die Architektur irischer Kirchen, deren schönste Bauten Cormac's Chapel auf dem Felsen von Cashel in der Grafschaft Tipperary und die Kathedrale von Clonfert in Galway sind.
Die Ankunft der Anglo-Normannen kündigte den Beginn des frühen gotischen Baustils an, der am deutlichsten bei den beiden Dubliner Kathedralen, Christ Church und St. Patrick's, zum Tragen kommt. Die Anglo-Normannen bauten beachtliche Burgen mit großen rechteckigen Zentraltürmen, von denen viele noch heute die Landschaft prägen. Die beeindruckendste der noch existierenden feudalen Festungen ist die in Cahir, Grafschaft Tipperary, aus dem fünfzehnten Jahrhundert.
Klassische Gebäude stammen aus dem späten siebzehnten Jahrhundert.
Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts imitierten palladianisch-klassizistische Villen italienische Patrizierhäuser.
Zum Ende des Jahrhunderts jedoch wich dieser Stil dem Neoklassizismus, und Dublin wurde zu einem herausragenden Beispiel georgianischer Architektur. Zu den wichtigsten Bauwerken dieser Periode zählen das Custom House und die Four Courts in Dublin mit ihren unverwechselbaren kupfernen Kuppeln, die von James Gandon entworfen wurden (1743 – 1823).
Im neunzehnten Jahrhundert kam die gotische Renaissance in Mode und beeinflusste die Kirchenarchitektur, wie z.B. die der St. Finbarr's Kathedrale (1867) in Cork, oder wurde, wie etwa beim Bau des Ashford Castle (ca. 1870) in der Grafschaft Mayo, an die einheimische Architektur angepasst.
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts trat zunehmend die Erhaltung und Restaurierung alter Gebäude mit Großprojekten, wie dem Royal Hospital in Kilmainham, das jetzt das Irish Museum of Modern Art (IMMA) beherbergt, in den Vordergrund.
Neue architektonische Impulse lassen sich vor allem in den Dubliner Docklands feststellen. So die gewagte Samuel Beckett Bridge mit ihrer an einen liegende Harfe erinnernde Verspannung oder auch das von Daniel Libeskind entworfenen Theater an den Grand Canal Docks.
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