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Rebellion von 1916, der "Osteraufstand"

Für viele Menschen "die" Rebellion an sich

… hat der Osteraufstand von 1916 eine ganz eigene Mythologie entwickelt. Dabei wird oft vergessen, dass er nicht nur in Planung und Ausführung sehr amateurhaft daherkam, sondern auch nie eine Chance zum Erfolg hatte!

Schon 1915 hatte sich innerhalb der Irish Republican Brotherhood ein geheimes Militärkonzil damit beschäftigt, einen bewaffneten Aufstand in Irland während der andauernden Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges zu starten.

Als führende Köpfe waren Thomas Clarke, Sean MacDiarmada, Patrick Pearse, Thomas MacDonagh und Joseph Plunkett beteiligt, später auch der Gewerkschafter James Connolly.

Gezielt wurde die Führung der Irish Volunteers infiltriert, deren Stabschef Eoin MacNeill von der Planung des für den Ostersonntag vorgesehenen Aufstandes total überrascht wurde. Um ihn auf die Seite der Revolte zu ziehen, vertraute man ihm die wichtigsten Geheimnisse an: Aus Deutschland, wo Roger Casement tätig war, sollte Hilfe kommen, unter anderem in Form von mehreren tausend Gewehren. MacNeill stimmte einer Mobilisierung der Irish Volunteers zu.

Als jedoch Casement am Banna Strand verhaftet wurde und das deutsche Schmuggelschiff “Aud” aufgebracht wurde, erteilte MacNeill den sinnvollen Befehl, die Revolution abzublasen. Das geheime Militärkonzil dagegen blieb beim leicht geänderten Plan und rief für den Ostermontag, 24. April 1916, zu den (kaum vorhandenen und nur als “leicht” zu bezeichnenden) Waffen.

Wie zu erwarten, blieb die “Nationale Erhebung Irlands” auf den Bereich Dublin beschränkt, nur ungefähr 1600 Irish Volunteers unter Pearse und 200 Freiwillige der Irish Citizen Army unter Connolly besetzten eine Reihe von strategischen Punkten – das Hauptquartier wurde im besetzten General Post Office aufgeschlagen, wo Pearse auch die Republik ausrief und sich und seine Mitverschwörer zur provisorischen Regierung erklärten (… eine Proklamation hatte man nach Emmets Vorbild drucken lassen, recht amateurhaft zwar, aber ein wichtiges Dokument).

Wichtige Punkte wie das Verkehrssystem und Dublin Castle wurden jedoch nicht unter die Kontrolle der Aufständischen gebracht, ebenso blieb die massive Unterstützung der Bevölkerung aus.

Gegen die schnell verstärkten und auch mit schweren Waffen ausgerüsteten Regierungstruppen war keine Chance gegeben, zumal auf dem Lande nur wenige Gruppen von Aufständischen mobilisierten (in Cork, Galway, Wexford und Meath).

Am 29. April bereits ergab sich Pearse, um nach seinen Worten “ein weiteres Blutbad unter Dublins Bevölkerung zu verhindern”. Bis dahin hatte der Konflikt bereits etwa 3.000 Tote und Verletzte gefordert – die meisten Zivilisten.

Vor einem Sondergericht wurden die Führer des Aufstandes zum Tode verurteilt, fünfzehn wurde zwischen dem 3. und 12. Mai erschossen. Erst diese Blutrache brachte den Aufständischen die Sympathien der breiten Bevölkerung ein. Und wurde zum unabdinglichen Teil der Legende von 1916.

Aus militärischer und politischer Sicht hatten Pearse und seine Mitkämpfer keine Chance, sie wollten wahrscheinlich auch nur ein Zeichen setzen (… und, wenn man Pearses Schriften liest, musste solch ein Zeichen möglichst blutig sein, Märtyrer schaffen!). Das gelang ihnen.

Die Glorifizierung des Aufstandes jedoch besorgte erst das britische Militärgericht, das zu schnell und zu brutal reagierte und keine politischen Erwägungen in sein Handeln einbaute.

Auch wenn die Aufständischen schon mit dem Hinweis auf ihre “europäischen Alliierten” in der Proklamation der Republik gewissermaßen das eigene Todesurteil fällten (die Zusammenarbeit mit dem Kriegsgegner Deutschland und die Herbeiführung eines bewaffneten Aufstandes waren schlichtweg Hochverrat), so hätte ein weniger auf Rache denn auf “reconciliation” drängender Prozess gegen die Führer des Osteraufstandes (und Roger Casement) die irische Geschichte dramatisch ändern können.

Zum Weiterlesen: Peter de Rosa, “Rebels”



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